Ratsinformationssystem

Wortprotokoll:

  

Bericht aus der laufenden Arbeit 2019

 

Die Bereitstellung von Informationen für die Verwaltung und die Bürger*innen sowie eine interessierte Fachöffentlichkeit sind Kernaufgaben des Stadtarchivs. Anfragen aller Art werden zeitnah bearbeitet und teils kostenpflichtig, teils kostenfrei (entsprechend der geltenden Gebührenordnung) zur Verfügung gestellt.

 

Das Stadtarchiv versteht sich neben seiner Aufgabe der Erhaltung und Verfügbarmachung des städtischen Schriftgutes ausdrücklich als Dienstleister. 2019 wurden 146 Anfragen bearbeitet, davon 72 kostenpflichtig. Die Bearbeitungsdauer betrug durchschnittlich 45 Minuten. Die Zahl der Personenstandsanfragen hat im Vergleich zum Vorjahr wiederum zugenommen (15% mehr als 2018). Wesentlich für die Zunahme von Anfragen ist die digitale Erschließung des Stadtarchivs (s.u.).

 

 

Zusätzlich wurden 18 umfangreichere Anfragen aus der Verwaltung, von Ortsheimatpflegern, zu Forschungsprojekten, von Universitäten, von externen Verwaltungsstellen und privaten Nutzern bearbeitet. Diese Anfragen waren weitaus umfangreicher zu betreuen mit einer Bearbeitungsdauer von 2,5 Stunden und mehr. Soweit es sich um Anfragen aus privatem Interesse handelt, sind auch diese kostenpflichtig. Wissenschaftliche und ehrenamtliche Recherchen sind laut Gebührensatzung kostenfrei.

 

Neben den zeitlich erfassten Aufträgen werden ca. 200 Anfragen per Telefon oder per E-Mail ohne großen Zeitaufwand bearbeitet. Obwohl derzeit kein Nutzerraum zur Verfügung steht, kommen einige Nutzer zu eigenen Recherchen ins Stadtarchiv. Sie müssen intensiv betreut werden und leisten je nach Vorhaben einen Kostenbeitrag.

 

 

Stadt- und ortsgeschichtliche Recherchen und Ergebnisse

Allgemeine Archivrecherchen beinhalten Anfragen z. B. aus der Verwaltung zu historischen Themen oder zu Fragen nach alten Akten oder Photographien für die Arbeit der Unteren Denkmalschutzbehörde. Im Berichtsjahr 2019 waren besonders umfangreiche Recherchen zu den Einbecker Hospitalstiftungen notwendig.

 

Anfragen von ehrenamtlichen Ortsheimatpflegern und Einwohnern mit privaten Interessen zur Orts- und Regionalgeschichte werden regelmäßig bearbeitet. Fortlaufend recherchiert z.B. Jens Kurdum, Opperhausen, zu den Flurnamen in Ortsgemarkungen des Leinetals. Die Ergebnisse werden regelmäßig in Eigenregie publiziert und öffentlich bekannt gemacht. Ebenso laufen kontinuierliche Recherchen und Sammlungen zur Ortsgeschichte z.B. von Dassensen, und Hohnstedt. Intensiv genutzt wird das Archiv auch von Mitgliedern des Einbecker Geschichtsvereins. Das StreetArt-Projekt an der Ilme-Apotheke erforderte ebenfalls einige Recherchen.

 

Am 18. Juni wurde im Rahmen einer feierlichen Übergabe im Alten Rathaus der dritte Band der Denkmaltopografie -  der Hausstellen-Katalog der Stadt Einbeck von Dr. Thomas Kellmann – der Öffentlichkeit übergeben. Viele Ergebnisse dieser Arbeit sind auf der Basis der Quellen im Einbecker Stadtarchiv gewonnen worden. Damit findet eine mehr als 20jährige Forschungsarbeit ein vorläufiges Ende.

 

Familiengeschichtliche Recherchen

Familienrecherchen erfreuen sich seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Sie sind nicht nur geprägt von dem Wunsch, einen eigenen Familienstammbaum erstellen zu können. Familien versuchen immer noch z. B. Geschehnisse rund um Kriegsopfer unter ihren Vorfahren aufzuklären, sowohl aus dem ersten als auch aus dem zweiten Weltkrieg. Neben den Quellen im Internet und den Unterlagen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind es vor allem die örtlichen Personenstands- und Melderegister, die Auskunft über das Schicksal von Angehörigen geben. Die Nachkommen sind dankbar für Hinweise, die jahrzehntelange Ungewissheiten beenden können. 

 

 

Betreuung der Ortsheimatpfleger

Derzeit sind von der Bürgermeisterin mehr als 40 ehrenamtliche Ortsheimatpfleger für die Ortschaften berufen. Die Zahl der Aktiven wechselt von Jahr zu Jahr aus Altersgründen. Einige Ortschaften haben die Ortsheimatpflege an ihre Heimat- und Kulturvereine übertragen, um Kontinuität zu gewährleisten. Beauftragter der Stadt für die Ortsheimatpflege ist seit vielen Jahren Herr Willi Hoppe, Kuventhal.

 

Die Jahreshauptversammlung der Ortsheimatpfleger fand am 16. Oktober 2019 im Klapperturm statt. Im Vordergrund des intensiven Austausches stehen praktische Fragen im Umgang mit Archivalien, die Nutzung von Archiven und die Aussagekraft von verschiedenen Quellen, die Erstellung von Ortschroniken sowie Hinweise auf geschichtsbezogene Veranstaltungen und Ortsjubiläen. Herr Dr. Kellmann (NLD) referierte über den historischen Hausbau in den Dörfern der Stadt Einbeck.

 

 

Forschungsprojekte

Wir unterstützen Universitäten, Wissenschaftler und Studierende ebenso wie Bürger („Citizen Science“) bei Forschungsprojekten aller Art. Anfragen kamen aus den Universitäten Berlin, Marburg und Göttingen sowie von der Universität Oxford/UK. Die Bandbreite der Themen reicht von Orgelbauern im 16. Jh., Apotheker im 17. Jh. über Untersuchungen zum historischen Fachschulwesen in Deutschland (Maschinenbauschule, Holzfachschule) bis zur mittelalterlichen Flurnamenforschung in Thüringen und Südniedersachsen oder dem Polizeiwesen im Nationalsozialismus. Ein besonderer Schwerpunkt lag im Zusammenhang mit dem Ende des 1. Weltkrieges auf Forschungsarbeiten zu Soldatenfriedhöfen und Lazaretten.

 

Wir geben Hilfeleistung sowohl bei studentischen Arbeiten, die sich mit Einbecker Themen befassen als auch für Schülerprojekte der umliegenden Schulen (z.B. bei der Vorbereitung von Projektwochen, Referaten etc.). Seit dem Schuljahr 2018/2019 wird ein Wahlpflichtkurs der IGS Einbeck auch von Stadtarchiv unterstützt.

 

Der Interessenkreis Stolpersteine trifft sich regelmäßig zur Vorbereitung weiterer Verlegungen. Frau Gerdes führt dafür zahlreiche Recherchen durch. Im November 2019 verlegte der Künstler Gunter Demnig weitere acht Stolpersteine in der Einbecker Innenstadt. Weitere Verlegungen von Stolpersteinen sind noch für die nächsten drei bis vier Jahre geplant.

 

Digitale Erschließung des Stadtarchivs

Das Stadtarchiv ist 2018 dem Archivverbund Arcinsys beigetreten. Die Server für Arcinsys werden beim IT.N (Landesbetrieb des Landes Niedersachsen, hervorgegangen aus dem Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen) zentral verwaltet, auch kommunale Archive erhalten einen Zugang.

 

Die standardisierten Daten werden online erfasst. Langfristig wird damit ein Instrument für die gesamte Arbeit im Stadtarchiv etabliert, von der Übernahme der Akten aus der Verwaltung bis hin zur internen oder öffentlichen Nutzung der Quellen. Langfristig wird sich die Recherchezeit für Fragestellungen deutlich verringern.

 

Die Aufnahme der Einbecker Aktenbestände in das Archivinformationssystem des Landes Niedersachsen „Arcinsys“ führt zu einer kompletten Neuaufnahme aller Aktenbestände, da in der Vergangenheit viele Akten nur unzureichend und mit ungenauen Laufzeiten aufgenommen wurden. Die Akten werden jetzt neu bewertet und ausführlich im Online Portal dargestellt, um eine bessere Suche zu gewährleisten. Das Einbecker Archiv selbst wird dadurch selbst auf dem neuesten Stand sein und alle Daten online verfügbar haben.

 

2019 konnten insgesamt 658 Akten verzeichnet werden: die Hauptbücher aus der Zeit von 1394 bis 1947 sind jetzt online auffindbar, ebenso die Kämmereiakten zwischen 1656 und 1900. Begonnen wurde mit der Verzeichnung des Repertorium I (Akten der Stadtverwaltung), hier insbesondere Steuer- und Zollsachen sowie Militärakten.

 

Seit dem Start 2018 sind jetzt insgesamt mehr rd. 1700 Archivalien verfügbar gemacht worden. Mittlerweile interessieren sich Forschungsprojekte für unseren Archivbestand, die auch für eine weitere Vernetzung unserer Daten online sorgen.

 

Dank des mit Hilfe der AKB-Stiftung beschafften Archivscanners werden auch die Einbecker Zeitungen fortlaufend digitalisiert. Mittlerweile sind 47 Zeitungsbände digital verfügbar.

 

Archiv-Neubau

Derzeit können von der Verwaltung abgegebene Aktenbestände aus Platzgründen nicht mehr bearbeitet und verzeichnet werden. Nach wie vor lagern umfangreiche archivwürdige Aktenbestände noch an externen Standorten (vgl. 016/BV/1620-1).

 

Im Rahmen des Wissensquartiers soll auch das Stadtarchiv eine neue, zeitgemäße Bleibe erhalten. In gemeinsamer Planung entwickeln mehrere Kultureinrichtungen inhaltlich aufeinander bezogene Vermittlungs- und Bildungsangebote. Damit verbunden sind außerdem erhebliche Synergie-Effekte. Die Planungen dafür laufen (vgl. Jahresbericht Stadtmuseum 2019, Vorlage 2020/3087). Die politische Diskussion dazu hat begonnen.

 

Fortbildungen

Die Mitarbeiterin Susanne Gerdes nahm auch 2019 an einer einwöchigen Fortbildung an der Archivschule Marburg teil.

 

Die Hinzugewählte Dr. Pogoda-Urbanski fragt, ob die Unterlagen der Einbecker Hospitalstiftungen der Öffentlichkeit zugänglich seien. SGL’in Dr. Heege antwortet, dass die Dokumente bei ihr eingesehen werden können, dafür aber Kenntnisse in altdeutscher Schrift und Latein notwendig seien.