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Wortprotokoll:

Am 12.10.2019 wurde von Herrn Henning Städtler, Offenbachstraße 2 in Einbeck, ein Antrag auf Erweiterung des Märchenwaldes im Einbecker Stadtwald gestellt. Dem Antrag von Herrn Städtler liegt eine Liste mit weiteren 18 Unterzeichner/-innen (Naturschutzbeauftragte, Forstwissenschaftler, Wissenschaftler, Biologen und Vertreter von Verbänden) bei. Der Antrag wurde im Vorfeld den Ratsmitgliedern übersandt.

Inhaltlich wird die Vergrößerung des Märchenwaldes von derzeit 23,8 ha (Abteilungen 39a und 40b) um weitere 32,8 ha (Abteilungen 30 und 38) auf dann insgesamt 56,6 ha beantragt. Die Begründung ist dem anliegenden Antrag zu entnehmen.

 

Die Verwaltung nimmt hierzu wie folgt Stellung:

 

Rechtliche Vorgaben

Zunächst ist festzustellen, dass die im Antrag formulierte Aussage „im Zuge der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (2007) der Bundesregierung sollen bis zum Jahr 2020 zehn Prozent der Waldflächen, die sich in öffentlicher Hand befinden, aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen werden“, in der entsprechenden Unterlage so nicht abgebildet ist.

Vielmehr werden dort u. a. folgende Ziele genannt: „2020 beträgt der Flächenanteil mit natürlicher Waldentwicklung fünf Prozent der Waldfläche“ und „Förderung des Vertragsnaturschutzes im Privatwald auf zehn Prozent der Fläche.“

Die niedersächsische Landesregierung hat in ihrer Sitzung am 26.September 2017 mit der Entscheidung zum „NWE10“-Programm die natürliche Entwicklung auf zehn Prozent der Landeswaldflächen beschlossen. Diese Verpflichtung betrifft die Landesforsten, für kommunale Waldflächen gibt es keine Vorgaben.

 

Umstrukturierung der städtischen Forstverwaltung

Bei einer Entscheidung ist zu berücksichtigen, dass sich durch die beantragte Erweiterung des Märchenwaldes um die beiden Abteilungen im Gegenzug der reine Wirtschaftswald in seiner Fläche von derzeit 517,13 ha auf 484,33 ha und damit auch der Ertrag entsprechend reduzieren würde. Dies ist insofern wichtig, als dass der städtische Forstamtsleiter zum 01.August 2020 in den Ruhestand geht und damit eine Umstrukturierung des Forstbereichs vorgesehen ist mit dem Ziel, die wirtschaftliche Bilanz langfristig und nachhaltig zu verbessern.

Zu diesem Zweck soll die Bewirtschaftung des Einbecker Stadtwaldes dem Wettbewerb unterstellt und bei geeigneten Institutionen (z.B. Nachbarkommunen, Landesforsten, Landwirtschaftskammer…) entsprechende Angebote eingeholt werden. Nachfolgend ist mit dem geeignetsten Bieter ein Vertrag abzuschließen. Eine Märchenwalderweiterung würde somit zwar einerseits zu einer ökologischen Aufwertung führen, sich aber andererseits auf die ökonomische Bilanz nachteilig auswirken.

 

 

Qualität der Erweiterungsflächen

Die Abteilung 38 (17,4 Hektar) ist aus rein forstwirtschaftlicher Sicht die wertvollste Abteilung im Stadtwald. Das Baumartenspektrum sowohl Laubholz als auch Nadelholz umfasst viele Arten, gerade jetzt im höheren Alter mit sehr guten Ernteaussichten für B auch A Qualitäten. Diese Qualitäten wurden konzeptionell erarbeitet und würden ihren Sinn bei Nichtnutzung verlieren. Der Bodentyp wird mit Lößlehm, nährstoffreich, wasserfrisch als sehr gut eingestuft.

In Abteilung 30 (15,4 Hektar) überwiegt der Laubholzanteil im jungen Alter. Erforderlich wären Läuterungen und Durchforstungen in den zukunftweisenden, qualitativ hochwertigen Jungbeständen. Der Bodentyp wird mit lößlehmüberdeckten Kalk, nährstoffreich, frisch als gut eingestuft.

Jagdbetrieb: In beiden Abteilungen wurden forstlich Erschließungslinien angelegt, die zugleich dem Jagdbetrieb dienen. Das Offenhalten, Freischneiden dieser Linien muss im Interesse der Jagdpächter zur Ermöglichung notwendiger Abschüsse von Schalenwild in der Forst auch zukünftig gewährleistet sein.

 

 

 

 

Beschluss:

Die endgültige Entscheidung über die Erweiterung des Märchenwaldes wird vertagt, bis die neue Beförsterung geregelt ist. Bis dahin werden die in Rede stehenden Abteilungen 30 und 38 nicht bewirtschaftet.
 

Abstimmungsergebnis:

Abstimmungsergebnis:

einstimmig